Sisopha ([info]sisopha) wrote,
@ 2007-02-12 12:16:00
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Current location:Pratchett - Going Postal, p. 312 :)
Current mood:janz fröhlich
Current music:Angélique Kidjo - Best of

Aufbruchsstimmung
Meine Schulter knackt wenn ich sie bewege... komischer Ton, aber das habe ich ja schon seit längerem. Heute hatten wir endlich mal wieder Taichi Training, und ich kann es ja nicht oft genug sagen - ich stehe wirklich gerne morgens früh auf. Ich bin auch gerne nachts wach, und meistens dann sogar am produktivsten, aber morgens ist das Licht irgendwie anders, und die Leute die man so trifft auch... Heute wird wohl unsere letzte Stunde gewesen sein (und ja, es war mir schon klar dass es ein bißchen blöd ist drei Wochen vor Auszug mit sowas anzufangen, aber ich wollte es einfach gerne mal ausprobieren.. und, es macht wirklich Spaß ^^).

Am Donnerstag ziehen wir alle aus dem Wohnheim aus. Bisher ist außer Katherine, der Australierin, noch niemand nach Hause gefahren, aber jetzt in den nächsten zwei Wochen werden wohl die meisten den Heimweg antreten. Vini und ich werden erstmal zu Daniel ziehen, für zwei Tage, bevor wir dann nach Beijing fliegen. Ich bin echt gespannt... und hoffe auf eine aufregende und interessante schöne Zeit ;) was auch sonst.
Am 3.März bin ich wieder zurück in Tokyo, und dann wahrscheinlich direkt schon auf der Weiterfahrt nach Osaka und Kyoto. Und am 16.März geht mein Flugzeug zurück Richtung Westen... noch etwas mehr als ein Monat also in Asien.
Wenn ich jetzt sage "Wie schnell doch die Zeit vergeht", dann ist das natürlich eine Selbstverständlichkeit, aber irgendwie erstaunt es einen doch immer wieder. Und vor allem erstaunt mich dass man einfach nicht dazulernt... ich meine, ich WEISS dass die Zeit viel schneller vergeht als ich immer annehme, aber trotzdem kann ich mich nicht richtig darauf einstellen :( Und nun sitz ich hier, mein Zimmer ist immernoch voller Zeug, auch wenn ein kleiner Teil schon den Weg in einen großen braunen Karton gefunden hat, der demnächst die Rückreise auf dem Seeweg antreten wird.. Aber Packen war ja schon immer mein liebster Teil der Reise *arghs* .
Außerdem hasse ich es in einem Zimmer zu leben in dem nichts an den Wänden oder Schränken klebt... alles so nackt und ungemütlich, das mag ich einfach nicht. Die Bilder kommen also als letztes ab.

Ich bin irgendwie froh über die Taichi-Sache und die Tatsache, dass ich dadurch gezwungen werde (auf eine freundliche Art) morgens mal vor 10 Uhr aus dem Bett zu rollen. Japan am Morgen, eine fast ganz neue Erfahrung ;)
Ansonsten macht sich der reversive Kulturschock (ist das das Wort? "umgekehrt", meine ich) vielleicht schon ein wenig bemerkbar... auf jeden Fall wird hier gerade alles viel schöner, als es denn in den letzten Monaten war. Und das Abschiednehmen fällt schwerer... bis man sich gewaltsam die Dinge wieder vor Augen hält, die einen in den ganzen letzten Monaten immer so gestört und vor allem genervt haben :P
An sich glaube ich dass vieles am schweren Abschiednehmen von hier auch damit zu tun hat dass ich nicht an meine deutsche Uni zurückkehren will... und auch nicht unbedingt nach Berlin, aber damit werde ich schon irgendwie fertig. Ich hab mich entschieden weiterhin in Berlin zu studieren, also muss ich da auch leben. Keine Diskussion mehr. Und es wird schon nett werden... sobald ich eine Wohnung habe, und mich eingerichtet und überhaupt...

In den letzten zwei Wochen gab es außer vielen Abschiedsfeiern und sehr viel Karaoke (^^)v auch zwei Museen (das Edo-Tokyo Museum und das Ghibli-Museum), und ich hoffe ja immer noch dass ich es morgen vielleicht schaffe zum Nationaltheater zu fahren und ein Ticket für eine Bunraku Vorstellung zu bekommen. Viel Hoffnung hab ich nicht, aber ich will es auf jeden Fall versuchen. Bunraku ist eine Puppentheater-Form, und ich würde mal sagen eine der am höchsten entwickelten - man braucht drei Personen um so eine Figur zu bewegen, und von weitem betrachtet könnte man kaum sagen ob man eine Puppe sieht oder einen echten Schauspieler. Früher galten die Bewegungen der Figuren als Vorbild für die Schauspieler, vor allem im Kabuki-Theater. Vielleicht fällt es einem deshalb auch manchmal so schwer zu unterscheiden ob man nun eine Puppe oder einen echten Menschen vor sich hat - Kabuki ist ja auch eine sehr stilisierte Form des Theaters.
Hach ja... ins Theater wäre ich ja schon gerne häufiger gegangen. Aber so billig ist es denn dann doch nicht :P
Drückt mir die Daumen, dass es mit dem Bunraku-Besuch doch noch klappt (o^^o)

Und nun werde ich mich mal auf den Weg machen, der nächste braune Karton will gekauft werden, meine Semesterergebnisse können abgeholt werden, und irgendwie hab ich gehört ich müsste meine Krankenversicherung kündigen.. also könnte eine Reise nach Shinjuku auch noch auf dem Programm stehen. Wie schön ;)


Ich möchte mich entschuldigen für meine seltenen, kryptischen Einträge. Das Schreiben hier macht Spaß, wirklich, aber meistens fehlt mir einfach die Zeit. Ich habe gerne viel Zeit, wenn ich mir vornehme mich hinzusetzen und etwas zu schreiben, aber in den letzten Wochen war das einfach kaum drin.
Aber ich denke viel an euch, und habe auch oft Dinge im Kopf die ich euch erzählen und aufschreiben will - nur bis zur Ausführung kommt es dann, wie so oft, leider nicht. Hm. Ich hoffe ihr verzeiht mir das.

Liebste Grüße!




(2 comments) - (Post a new comment)

"Erst die Fremde lehrt uns,
[info]aquila753
2007-02-12 06:59 pm UTC (link)
was wir an der Heimat besitzen." - Theodor Fontane

Speziell an Montagen brauche ich gute Nachrichten, um zumindest nachträglich einen akzeptablen Grund zu finden, warum ich wie jede Woche den Fehler gemacht habe, aufzustehen, und hier fand ich sie.

Freude umfängt das klamme Herz angesichts Deines Entschlusses zugunsten einer Rückkehr in die Hauptstadt. Oder, um es mit den Worten des österreichischen Operettendichters Franz von Suppé (1819 - 1895) zu sagen: "Du bist verrückt mein Kind, du mußt nach Berlin."

Meine Anerkennung auch für die Wahl Deiner Literatur. Going Postal war in meinen Augen der beste Pratchett seit langem, weil er wieder zu seinen hellen, friedfertigen Wurzeln zurückkehrte, nachdem die beiden Bücher davor, Night Watch und Monstrous Regiment ebenso wie der folgende Roman Thud! eher dunkel auf mich wirken.

Noch ein Absacker:
"Die Berliner sind unfreundlich und rücksichtslos, ruppig und rechthaberisch, Berlin ist abstoßend, laut, dreckig und grau, Baustellen und verstopfte Straßen, wo man geht und steht - aber mir tun alle Menschen leid, die nicht hier leben können!" - Anneliese Bödecker

(Reply to this)

Wenn einer eine Reise tut...
(Anonymous)
2007-02-19 02:32 pm UTC (link)
... und nicht schreiben kann, dann muss er halt erzählen! Also hinterher, wenn er dann wieder in der Heimat ist.

Ich hätte nicht erwartet, dass Du solche Aversionen gegen Berlin hegst, aber verstehen kann ich's schon seit ich letztens aus Schwaben wiederkam und die S-Bahn betrat - die Sprache und die Freundlichkeit hauen einen um! Aber immerhin ist hier eine (hoffentlich) erfreuliche für Dich Sache in Berlin: Rollenspiel! Wir haben Dir auch brav den Platz freigehalten! ^^ Und larpen kannst Du dann auch wieder (auch wenn das nicht Berlin-spezifisch ist) ;) Außerdem wackelt hier die Erde nicht (außer wenn mal 'ne U-Bahn vorbeikommt).

Ich freu mich jedenfalls drauf, dass Du wieder zurückkommst! :-D

LG, André

(Reply to this)


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